Mobile Tiny Houses – finde deine eigene Freiheit

Wo kann ich mein Tiny House hinstellen? Das ist die Frage, die ich seit Jahren am häufigsten höre. Meine Antwort ist seit Jahren die gleiche. Es kommt darauf an! Es kommt darauf an, was du mit deinem Tiny House machen willst, also darauf wie du es nutzt, da wo du es “hinstellst”. Es ist nicht dasselbe, ob du in deinem Tiny House ein Gewerbe als Grafikdesigner betreibst, es als Spielanhänger ab und an für Kinder zu Straßenfesten bringst, es zum süßesten Café im Ort machst oder darin wohnst! Jeder diese Nutzungsformen bedingt eine andere Antwort auf die Frage. Und auch diese Antwort wird lauten: Es kommt darauf an, in welchem Bundesland, in welcher Gemeinde und auf die Dauer. Du siehst, die Welt ist bunt 🙂

Wohnen im Tiny House

Auf ein Nachhaken wird dann meist konkretisiert. Also, ich meine, wo kann man in einem Tiny House richtig wohnen? Aha, das meinst du also! Was dann passiert: Während ich auf Autoplay drücke und der Recorder abspielt: „Naja, ‚können‘, überall, wo du dein Tiny House halt abstellen kannst, Menschen haben schon immer in mobilen Behausungen gewohnt…“, suche ich in meinem Kopf nach der Eselsbrücke zum Auseinanderhalten der rechtlichen Begrifflichkeiten. Ach ja, ‚wo‘ man in Deutschland ‚legal in einem Gebäude wohnen darf‘ bestimmt das Bauplanungsrecht.

Status-Quo: Rezeptur zum dauerhaften, legalen Wohnen in einem Tiny House

  • Man nehme ein im Innenbereich liegendes,
  • verkehrsmäßig und technisch erschlossenes Grundstück (Baugesetzbuch §34),
  • in einem Gebiet, in dem Wohnen dauerhaft zugelassen ist (Baunutzungsverordnung §2-14),
  • halte sich an den Flächennutzungplan oder ggf. Bebauungsplan
  • und durchlaufe das in der Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes, geregelte Verfahren für eine Baugenehmigung.

Tiny House und Baugenehmigung – die Königsdisziplin

Hört sich nach viel Arbeit und langen Prozessen an? Das passende Baugrundstück zu finden auf jeden Fall! Wenn du das geschafft hast, sind die bürokratischen Prozesse gar nicht so schwierig oder lang! Bist du Besitzer oder Erbpächter eines Grundstückes, solltest du dich dann über die Vorschriften erkundigen und beispielsweise mit der Hilfe eines Architekten bei der örtlich zuständigen Behörde nachfragen, welche Bedingungen eingehalten werden müssen. Diese Punkte solltest du dann in deine Tiny House Planung von Anfang an einfließen lassen. Wahrscheinlich wirst du dabei feststellen, dass die Mobilität deines Tiny Houses gar nicht mehr so viel Sinn macht, denn eine Baugenehmigung ist immer an ein einzelnes Grundstück gebunden.

Madeleine’s Vision: Definition Mobiles Tiny House im Baugesetz

Für die Zukunft habe ich persönliche die Vision, dass mobile Tiny Houses eine eigene gesetzliche Definition mit eigenen Regeln bekommen. Denn aus meiner Sicht sind mobile Tiny Houses eben nicht zum dauerhaften Wohnen an einem einzelnen Grundstück gedacht, sondern dafür, ihren Standort ab und an zu wechseln. Das ist eine ganz andere Voraussetzung als im Falle von feststehenden Gebäuden, für die oben aufgeführte Gesetze gemacht wurden. Ich wünsche mir, dass erschlossene Baugrundstücke auf diese Weise ganz legal für die Zwischennutzung mit mobilen Tiny Houses zum Wohnen auf Zeit genutzt werden können. Es geht mir nicht darum keine Gesetze einzuhalten, sondern neue, für diese alternative Wohnform sinnvolle Gesetze zu etablieren. Aber noch ist das Zukunftsmusik, in der Tiny House Community umstritten und jedenfalls heute (noch) nicht so.

Standard: Tiny House als Wochenend-/Ferienhaus

Heute stellen die meisten Tiny House Besitzer ihre Häuschen auf dem Campingplatz und belassen ihren tatsächlichen Lebensmittelpunkt an einem anderen Ort. Campingplätze gehören, genau wie Wochenendplätze zur Gebietsart “Sondergebiete, die der Erholung dienen”. Jedes Bundesland hat eine eigene Camping- und Wochenendplatzverordnung (CWVO), die eine pauschale Genehmigung zum Aufstellen von Zelten, Wohnwagen, Mobilheimen und kleinen Gebäuden erteilt. Die baulichen Anlagen dürfen dabei max. 3,5m hoch sein und 50m2 nicht überschreiten. Kulanterweise lassen viele Campingplatzbetreiber aber auch Tiny Houses mit 4m Höhe zu.

Tiny House im Ökodorf

Schon lange vor der Tiny House Bewegung in Deutschland gab es sogenannte Ökodörfer. In der Regel entstehen sie in “ Sondergebieten für alternative Wohnformen” und gehen mit jahrelangen Verfahren von Umwidmung und Bauanträgen einher. Die Wohngebäude sind oft besonders umweltschonend und zukunftsweisend, sowohl in Bezug auf die Baumaterialien und Versorgungstechnik, als auch ihrer Bewirtschaftung. Die Bewohner sind in Gemeinschaften organisiert, die ihr Zusammenleben aktiv gestalten. Oft sind Ökodörfer offen für die Wohnform Tiny House und wer sich das Leben in solchen Strukturen vorstellen kann, sollte sie für das mobile Heim in Betracht ziehen. Hier zwei Beispiele für Ökodörfer, die es geschafft haben.

Ökodorf Sieben Linden in Sachsen-Anhalt
https://siebenlinden.org/de/oekodorf-sieben-linden/

Earthship Tempelhof bei Crailsheim
http://www.earthship-tempelhof.de/

Existierende Tiny House Dörfer

Die Liste bestehender Tiny House Dörfer, in denen man mit dem eigenen Häuschen zusammen mit anderen Tiny House Besitzern legal wohnen kann, ist (leider) noch kurz. Das Tiny House Village von Steffi und Philipp in Mehlmeisel, 40 Autominuten östlich von Bayreuth, ist das einzige existierende Wohnprojekt, was sich ausschließlich auf Tiny Houses konzentriert. Es ist auf einem alten Campingplatz entstanden und bietet die Möglichkeit zum Probewohnen sowie Stellplätze zum kurzfristigen und langfristigen Wohnen im eigenen Tiny House.

Tiny House Village bei Bayreuth
https://www.tinyhousevillage.de/

Tiny House Dorf Projekte (in Planung/am Entstehen)

Tiny Ecovillage Braunfels
https://www.tiny-house-deutschland.de/tiny-ecovillages/tiny-ecovillage-braunfels/

Tiny House Dorf in Bremen
https://www.tiny-house-kultur.de/

Wohnprojekt „Einfach gemeinsam Leben“ bei München
https://einfach-gemeinsam-leben.info/

Tiny House Dorf „Lilleby“ in Hollenbek bei Hamburg
http://lilleby.de/

Tiny House Siedlung Warendorf bei Münster
WDR-Beitrag
NW-Artikel

Tiny House Siedlung in Österreich
Salzburger Berge

Tiny House & Baurecht

Wenn du mehr zum Thema Tiny House und Baurecht erfahren willst, empfehle ich dir die Aufzeichnung unseres Webinars zu dem Thema. Darin stellen wir alle Gesetze vor, die dich als (künftigen) Tiny House Besitzer/in betreffen. Vom Straßenverkehrsrecht, über das Bauplanungsrecht, Baunutzungsverordnung bis hin zur EnEV. Zum Webinar geht’s hier entlang.

 

Bildquellen: Zimmerei Prommersberger (Bild 1), Heinz Diekmann GmbH (Bild 2,3,4)